Was haben Kettmaterialzuführung und Lean Management miteinander zu tun? Eine ganze Menge.
Bei Maschinen, in denen Kettmaterial kontinuierlich zugeführt und verarbeitet wird, ist eine konstante und definierte Materialspannung entscheidend für einen stabilen Produktionsprozess. Fehlt eine gesteuerte Kettmaterialzuführung oder eine aktive Spannungsregelung, muss der Bediener den Prozess regelmässig überwachen und bei Bedarf manuell korrigieren.
Die Kontrolle kann beispielsweise über ein Handmessgerät oder anhand von Veränderungen am produzierten Material erfolgen. Je nach Anwendung können sich Abweichungen unter anderem durch Breitenänderungen, ein verändertes Dehnverhalten oder weitere Qualitätsmerkmale bemerkbar machen.
Wo entsteht Muda?
Aus Sicht des Lean Managements sind wiederkehrende Kontroll- und Einstelltätigkeiten ein klassisches Beispiel für vermeidbare Aufwände – sogenanntes «Muda» (Verschwendung).
Der Bediener muss den Prozess kontrollieren, Messungen durchführen und gegebenenfalls Einstellungen vornehmen. Diese Tätigkeiten schaffen keinen direkten Mehrwert am Produkt. Gleichzeitig können häufige manuelle Eingriffe Prozessschwankungen begünstigen und damit die Reproduzierbarkeit der Qualität beeinträchtigen.
Genau hier setzt die Automatisierung an.
Das japanische Wort Muda bedeutet auf Deutsch Verschwendung, Nutzlosigkeit oder eine sinnlose Tätigkeit ohne zusätzlichen Wert für den Kunden. > Wikipedia
Die Lösung: automatisch regeln statt manuell korrigieren
Durch die automatische Erfassung und Regelung der Kettfadenspannung wird der Prozess kontinuierlich überwacht. Die Kettzuführung kann selbstständig auf veränderte Bedingungen reagieren und die Materialzufuhr entsprechend anpassen.
Manuelle Kontrollen und Nachjustierungen lassen sich dadurch deutlich reduzieren. Das schafft mehrere Vorteile:
- konstantere Kettfadenspannung
- stabilere und reproduzierbarere Gewebequalität
- weniger Bedienereingriffe
- höhere Prozesssicherheit
- Entlastung der Mitarbeitenden von wiederkehrenden Kontrollaufgaben

Die gewonnene Zeit kann für Tätigkeiten eingesetzt werden, die tatsächlich Wert schaffen.
Damit ist die Automatisierung der Kettfadenzuführung mehr als eine technische Optimierung. Sie ist ein konkreter Schritt in Richtung Lean Production: Verschwendung reduzieren, Prozesse stabilisieren und Qualität reproduzierbar machen.
Weniger Muda. Weniger manuelle Eingriffe. Mehr Stabilität. Mehr Effizienz.
Von der Automatisierung zur digitalen Prozessoptimierung
Die automatische Kettfadenzuführung lässt sich mit unterschiedlichen technischen Konzepten realisieren – von frequenzgesteuerten Motoren bis hin zu modernen BLDC-Motoren (Brushless DC). Auch für die Erfassung der Kettfadenspannung stehen verschiedene Mess- und Regelkonzepte zur Verfügung.
Die Auswahl des passenden Antriebs und der geeigneten Sensorik ist dabei wichtig. Noch entscheidender ist jedoch die übergeordnete Steuerung des Systems.
Denn eine moderne Lösung sollte nicht nur die Kettfadenspannung zuverlässig regeln, sondern gleichzeitig relevante Prozessdaten erfassen, speichern und für weitere Anwendungen bereitstellen.
So können beispielsweise Informationen zu Kettfadenspannung, Prozessverlauf, Qualitätseigenschaften, Maschinenlaufzeiten, Stillständen und Prozessabweichungen kontinuierlich erfasst und ausgewertet werden. Damit entsteht eine wertvolle Datengrundlage – für die Qualitätsüberwachung, Prozessanalyse, Optimierung von Produktionsabläufen und vorausschauende Wartung.
Daten verbinden – Prozesse ganzheitlich verstehen
Idealerweise werden die gewonnenen Daten über geeignete Schnittstellen an übergeordnete Systeme wie LoomData oder vergleichbare digitale Produktionssysteme übertragen.

So werden die Informationen der Kettfadenzuführung nicht isoliert betrachtet. Sie können mit weiteren Maschinen- und Produktionsdaten verknüpft werden. Dadurch entsteht ein umfassenderes Bild des Produktionsprozesses – und damit eine bessere Grundlage für fundierte Entscheidungen.
Die Basis für zukünftige KI-Anwendungen
Auch künstliche Intelligenz (KI) kann in diesem Umfeld künftig eine unterstützende Rolle übernehmen.
Werden grosse Mengen hochwertiger Prozessdaten kontinuierlich erfasst, können KI-basierte Anwendungen beispielsweise dabei helfen, Zusammenhänge zu erkennen, ungewöhnliche Prozesszustände frühzeitig zu identifizieren oder Optimierungspotenziale aufzudecken.
Die Voraussetzung dafür bleibt jedoch immer dieselbe:Ohne zuverlässige und qualitativ hochwertige Maschinendaten gibt es keine belastbare digitale Optimierung.


Automatisieren. Daten erfassen.
Prozesse verstehen. Kontinuierlich verbessern.
Damit entwickelt sich die Kettfadenzuführung von einer reinen Automatisierungslösung zu einem digital vernetzten Bestandteil des gesamten Produktionsprozesses.
Der Mehrwert liegt somit nicht nur in der automatischen Regelung der Kettfadenspannung. Es entsteht gleichzeitig eine transparente Datenbasis für Qualität, Effizienz und kontinuierliche Prozessverbesserung.

